PKU Erfahrungen in besonderen Situationen

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  • Hier habe ich meine Erfahrungen mit der PKU in besonderen Situationen aufgeschrieben. Insbesondere geht es hierbei um die Umsetzung und die Einhaltung der PKU – Diät.

    Restaurantbesuche
    Die Restaurantbesuche waren und sind in der Regel problemlos. Meine Eltern haben sich durch meine PKU niemals davon abhalten lassen, ein Restaurant zu besuchen. Meine Mutter hat mir mein Essen meistens mitgenommen und den Restaurantbediensteten gleich am Anfang erklärt, warum das notwendig ist. Bis auf einmal hat es dabei nie Probleme gegeben. Bei dem einen Mal, bestand der Restaurantführer darauf, dass mitgebrachte Speisen zu verzehren verboten ist und ich dann eben nur etwas trinken könne. Die Rechnung ging für ihn aber nicht auf, da daraufhin keiner mehr etwas essen wollte und wir das Restaurant verließen und es nie wieder besuchten.

    Wir haben es fast immer so gemacht, dass ich etwas Geeignetes aus dem Angebot des Restaurants, z.B. Pommes Frites, andere Kartoffel – oder Reisbeilagen, Salat oder Gemüsevariationen, mit dem selbst mitgebrachten Speisen kombinierte. So fühlte ich mich auch nie ausgeschlossen. Meine Eltern ließen sich dann einen Extra – Teller geben und so konnte alles abgewogen werden, da wir eine Digitalwaage immer dabei hatten.

    Gut fand ich auch die Idee meiner Mum, sich anstatt Vorsuppe ein Kännchen kochendes Wasser und eine Suppentasse bringen zu lassen. So hat sie mir dann eine Tassensuppe von Knorr (die Berechnungswerte bekommt man) zubereitet. In der Regel waren die Restaurantführer oder Kellner/innen bemüht mit einen schönen Besuch zu ermöglichen, auch wenn oft einige Besonderheiten zu beachten waren. Heute nehme ich meistens keine eigenen Speisen mehr mit. Da ich die Diät etwas gelockert habe, suche ich mir bei den vegetarischen Gerichten, etwas Eiweißarmes aus. Am Liebsten gehe ich ins Restaurant, wenn die Speisen als Buffet ange- boten werden. Da kann ich mir aussuchen, was für mich geeignet ist. Besonders gerne gehe ich daher chinesisch essen, denn da wird generell etwas Geeignetes mit Reis und Gemüse angeboten. Bei einigen Restaurants kann man auch einen anderen Preis aushandeln, wenn man erklärt, dass man keine Fleischgerichte essen darf.

    Urlaube mit PKU
    Urlaube mit der Familie waren immer sehr schön und unkompliziert. Meine Eltern buchten der Einfachheit halber immer Ferienwohnungen. So bereiteten Sie die Mahlzeiten selbst zu oder wir gingen ins Restaurant essen. Meine Eltern nahmen die nötigen PKU – Lebensmittel, wie Brot, Brötchen, Nudeln usw. mit und so war meine Ernährung gewährleistet. Auch meine AS gehörte stets zur Grundausstattung. Wenn wir, damit meine Mum mal Urlaub vom Herd hatte, ins Restaurant gingen suchten wir für mich etwas Eiweißarmes oder stellten ein geeignetes Gericht zusammen. Auch das geht bei guter Absprache in vielen Restaurants.

    Wir haben dabei z.B. gerne auf Röstis mit Pilzen und Zwiebeln oder Pommes mit Gemüse zurückgegriffen. Meine Eltern ließen sich dann einen Extra – Teller geben und so konnte alles abgewogen werden. Auch eine Digitalwaage gehörte immer mit zur Grundausstattung. Sollten wir mal keine Ferienwohnung, sondern ein Zimmer in einer Pension gebucht haben, wurden Brötchen, Brot und Knäckebrot für Frühstück und Abend- brot mitgenommen. Als Getränk konnte man in der Regel Tee oder Fruchtsaft bestellen. Als Belag fürs Brot hat sich immer etwas gefunden. Oft war die Dekoration der Wurst – und Käseplatten geeignet (Salatgurke, Tomate u.ä.) Als ich älter war, flogen wir in den Urlaub in die Türkei. Dort waren wir im Hotel untergebracht und hatten Frühstücks – und Abendbuffet. Das war wie im Schla- raffenland. ;) Obst und Gemüse in allen Variationen.
    Also Fazit kann ich nur sagen: Urlaub mit PKU kein Problem!!!

    Fest – und Feiertage
    Feste und Feiertage sind auch für PKUler etwas Besonderes. Im Vordergrund stehen hierbei natürlich Ostern und Weihnachten, aber auch für Karneval (Fasching) und Halloween gibt es inzwischen immer mehr gute Ideen. Da es in meiner Kindheit noch nicht so viele Angebote für Schokolade gab, hat meine Mum für mich zu Weihnachten und auch zu Ostern Schokoladenfiguren mit Hilfe kleiner Pralinenförmchen selbst gegossen. Damit auch ich Ostereier suchen konnte, füllte sie in hohle Metall – und Pappostereier geeignete Süßigkeiten. Da auch das Osterfrühstück etwas Besonderes für mich sein sollte, gab es anstatt eines gekochten Frühstückseies ein aus Teig gebackenes Ei. Dieses war mit Creme fraiché und Ketchup (oder Marmelade) gefüllt und in einer Eierschale gebacken. Dieses leckere Frühstücksei backe ich immer noch jedes Jahr zu Ostern. :)

    Familienfeiern
    Wenn ich als Kind bei Kindergeburtstagen eingeladen war, hat mir meine Mum immer mein Essen mitgegeben. Die Mütter der anderen Kinder haben mir dieses dann zubereitet. Hierbei gab es keinerlei Probleme. Da vorher immer abgesprochen wurde, was es geben soll, hatte auch ich immer ähnliches Essen. Natürlich durfte auch hier die Digitalwaage nicht fehlen. Wenn es z.B. Pommes gab, wurde mir mein Essen entsprechend abgewogen. Bei Feiern im Familien – und Freundeskreis gab es ebenfalls keine Schwierigkeiten. Auch hier wurde und wird abgesprochen, was es geben sollte bzw. was es gibt und dementsprechend nehme ich mein Essen mit. Einige haben sogar extra für mich etwas vorbereitet. Bei Salaten etc. schaue ich, was ich davon essen darf und nehme es dann wie alle anderen. Bei größeren Feiern z.B. Silberhochzeiten finde ich es persönlich super, wenn ein Buffet angeboten wird.

    Kindergartenzeit
    Während meiner Kindergartenzeit gab es mit der PKU keine Probleme. Meine Eltern haben den Erzieherinnen die PKU direkt am Anfang erklärt. Die Erzieherinnen reagierten sehr verständnisvoll und haben auch Interesse gezeigt. Sie haben sogar z.B. die Schale vom Apfel o.ä. zurück gewogen und dies dann meiner Mum mitgeteilt. Wenn besondere Anlässe z.B. Martinsfest, Kindergeburtstage und ähnliches waren, haben sie meine Mum informiert und so konnte sie auch für mich etwas Ähnliches „zaubern“. Ich hatte eine sehr schöne Kindergartenzeit.

    Klassenfahrten
    Bei dem Thema „Klassenfahrten“ gibt es bei mir nur einen positiven Punkt. Als wir in der 4. Klasse auf Klassenreise waren, konnte meine Mum als Betreuerin mitfahren und sich so um meine Ernährung kümmern. Danach habe ich leider nur negative Erfahrungen gemacht. Die Probleme kamen mit der Gesamtschule. Dort wurde ich bei den meisten Klassenfahrten ausgegrenzt und ich war mehr eine Einzelkämpferin, weil dann so Sprüche kamen, wie ich müsste mich ja eh anders ernähren und wäre somit behindert usw. Bei unserer Abschlussfahrt nach Italien wurde mir direkt von meinen Mitschülern gesagt, dass sie mich nicht dabei haben wollen. Meine Lehrer haben die einfachste Lösung genommen und den Mitschülern zugestimmt. Meine Lehrer haben kein Interesse gezeigt. Auch bei der Klassenfahrt, die im April 2012 während meiner Ausbildung zur SpA stattfindet, kann ich aufgrund der PKU nicht mitfahren. Die Leiter und Mitarbeiter der Jugendherberge können nicht gewährleisten, dass für mich eine eiweißarme Ernährung möglich ist. Außerdem dürfen keine eigenen Lebensmittel mitgebracht werden.

    Praktikum / Ausbildung
    In dem Kindergarten, wo ich als Kind war, hatte ich bis Sommer 2008 eineinhalb Jahre Praktikum gemacht. Es war total super und es war bis jetzt auf jeden Fall die beste Zeit meines Lebens!! :) Ich besuche die Erzieherinnen und die Kinder auch immer noch, wenn es zeitlich passt. Die Erzieherinnen kennen mich sowieso und sie erzählen mir dann immer noch von der Zeit, als ich als Kind dort war und sie alles so genau abwiegen mussten. Sie waren ganz erstaunt, dass ich das jetzt nicht mehr machen muss. Während des Praktikums habe ich mir mein Frühstück selbst mitgenommen und wenn es etwas im Team zu Feiern gab, z.B. Geburtstage dann wurde ich vorher gefragt, ob ich das auch mitessen kann. Sogar die 2 und 3 jährigen Kinder wussten nach einer Zeit schon, dass ich z.B. Gummibärchen u.ä. nicht essen darf. Sie meinten dann immer zu mir: „Nee, das darfst Du nicht!“ :) Ich fand und finde das total goldig!! ;) Das sind, wie ich finde, wunderschöne Momente. Als ich 2008 eine Ausbildung begonnen hatte, habe ich in einem Wohnheim gewohnt und habe leider nicht so tolle Erfahrungen gemacht.

    Ich gehe sehr offen mit meiner PKU um und es war allen bekannt, dass ich PKU habe. Leider war es so, dass meine Mitbewohner nichts mit Hygiene anfangen konnten. Meine Freundin, die ich erst dort kennen gelernt habe, und ich waren die Einzigen, die auf Ordnung und Hygiene geachtet haben, obwohl das schon gar nicht mehr möglich war. Abgesehen davon das nicht abgewaschen wurde, schimmelten die Lebensmittel, dementsprechend hat es auch gerochen. Einmal waren sogar verpuppte Maden in der Küche. In der Küche usw. waren gefühlte 10.000 Obstfliegen unterwegs (auch in den Lebensmitteln und meinem Pulver). Ich habe mich daher geweigert etwas zu Essen. Natürlich habe ich mit meinen Mitbewohnern gesprochen, aber von ihnen war keine Einsicht zu erwarten. Ich habe dafür, dass ich mich geweigert und geekelt habe, etwas zu essen, auch meine Quittung bekommen. Mein Stoffwechsel ist komplett zusammengebrochen. Das hab ich einmal erlebt und das reicht auch. Ich lag ca. 3-4 Wochen richtig rum. Zum Glück hab ich das wieder in den Griff bekommen. Hier war mir auf jeden Fall meine Gesundheit wichtiger und ich habe die Ausbildung, auch aus diesem Grund, abgebrochen.

    Im August 2011 habe ich eine schulische Ausbildung angefangen und habe hier bisher keine Probleme (außer das ich die Klassenfahrt, siehe oben, nicht mitmachen kann) mit der PKU – Diät. Zur Schule nehme ich mir mein Essen mit meistens Brot (süsser Stuten von Poensgen) oder süsse Hörnchen (ebenfalls Poensgen). Auch während meines Praktikums (im Rahmen der Ausbildung) in der Kindertagesstätte nehme ich mein Essen ebenfalls mit. Wenn es in der Kita etwas zu Essen gibt, das ich auch essen darf, esse ich natürlich mit den Kindern zusammen.

    Mein Fazit
    Ich selber komme super mit der PKU zurecht. Leider musste ich auch schon einige negative Erfahrungen machen und wurde gemobbt. Aber ich bin der Meinung, dass man sich nie unterkriegen lassen soll, auch wenn man negative Erfahrungen erlebt hat. Im Gegenteil sie machen einen nur noch stärker und auch selbstbewusster. Man sollte niemals aufgeben!!! Ich finde man soll die PKU annehmen und die Diät nicht abbrechen. Mit PKU kann man sehr gut leben und für mich kommt die Diät zu unterbrechen oder zu beenden nicht in Frage, da die heutigen Erkenntnisse es nicht mehr befürworten würden. Es ist nicht wichtig, was andere über einen und die PKU denken. Wir müssen und können sehr gut damit leben und man darf nie vergessen, es ist unsere Gesundheit!!!

    Michaela Gerke

    Quelle
    Artikel: PKU Erfahrungen in besonderen Situationen
    Zeitung: DIG-PKU Pheline 01/2012
    Autor: Michaela Gerke

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