Mittagessen in der Schulmensa ...

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    == Mittagessen in der Schulmensa ... ==

    Das Thema „Mittagessen in der Schulmensa“ war bis vor kurzem für uns und unseren neunjährigen Sohn René noch wenig interessant und in weiter Ferne. Ein Wechsel in die weiterführende Schule und dem damit verbundenen Mittagessen in der Mensa steht für ihn erst im nächsten Jahr an, PKU-Rezepte werden für unser Kind erst mal täglich zu Hause gekocht., so dachten wir.

    Aber dann kam alles anders: Kurz vor den Sommerferien rief unsere Schulleiterin die gesamte Elternschaft zusammen, um „Neuerungen für das kommende Schuljahr“ zu präsentieren. Die Grund- schule war ja schon länger dabei, den Weg einer Ganztagsschule einzuschlagen.
    Vom kommenden Schuljahr an sollte nun also eine einstündige Mittagspause stattfinden. In dieser Zeit werde ein warmes Mittagessen angeboten. Alle Kinder, die nicht zum Essen angemeldet sind, hätten die Möglichkeit, im „Dschungelcafé“ ihr von zu Hause mitgebrachtes „Lunchpaket“ zu verzehren.

    Nach kurzer Überlegung war für uns klar: Unterricht bis 14 Uhr und in dieser Zeit keine warme Mahlzeit, das kommt für ein Grundschulkind nicht in Frage. Als uns versichert wurde, dass jedes Kind zum Essen angemeldet werden könne und René von der Idee hellauf begeistert war, zögerten wir nicht lange und René durfte noch vor den Sommerferien eine Woche „Probe essen“.
    Ich muss gestehen, das Ganze ging doch relativ schnell und ich schluckte erst einmal, dass ich mich nun doch recht zügig mit dem Thema „ Essen in der Mensa“ auseinander setzen musste. Ein Termin mit der Mensaleiterin war schnell gemacht. So konnten wir klären, was René essen darf und was es überhaupt mit der PKU auf sich hat. So stattete ich nun die Mensa mit den wichtigsten Lebensmitteln für Renés PKU-Diät aus: eiweißarme Nudeln und Brot, Milch, Mehl und Joghurtersatz hatten von nun an einen festen Platz in der Mensaküche. Ein Waage war sowieso vorhanden.

    Von Anfang an sorgte ich dafür, dass der Speiseplan der kommenden Woche immer rechtzeitig bei mir war, per e-mail bekomme ich nun immer von der Mensaleiterin einen aktuellen Plan. Darin schaue ich nach, was für René geeignet ist und ergänze oder ersetze entsprechende Lebensmittel. Mit meiner neuen Liste und den noch fehlenden eiweißarmen Produkten mache ich mich dann jeden Freitag Mittag auf und bespreche die folgende Woche mit der Mensaleiterin. Gleich zu Beginn bekam ich sogar eine Nährwerttabelle des Caterers mit, um darin zu schauen, wie viel Eiweiß in den Gerichten ist. So konnte ich nun mit René gemeinsam aussuchen, was für ihn vom Caterer bestellt werden konnte. Es gab eine größere Auswahl zusammen, als ich es mir vorgestellt hatte.

    Die erste Woche war noch etwas holprig, das Abwiegen wurde erst vergessen, dann wurde alles zusammen abgewogen und erst so nach und nach klappte es dann immer besser. Klar musste ich am Anfang schon hinterher sein und immer nachfragen, aber inzwischen sind wir richtig zufrieden. Früher dachten wir immer, es wäre besser, René bekommt immer das Essen, wie die anderen Kinder, eben nur als eiweißarme Variante. Aber das ist nicht immer möglich und im Grunde ist es für ein Kind mit PKU auch eine wichtige Erfahrung, wenn es auch mal etwas völlig anderes bekommt.

    René jedenfalls genießt es auch schon mal, wenn das eine oder andere Kind etwas neidisch auf seine PKU-Pizza schaut, das selbst einen Teller Linsensuppe vor sich stehen hat. Dazu kommt noch, dass sich jeder um ihn kümmert und täglich für ihn leckere Nachspeisen gezaubert werden. Und selbstverständlich wird alles fein säuberlich in seinem Heft notiert, das er am Nachmittag mit nach Hause bringt.

    Die ersten zwei Wochen waren auch für mich als Mutter sehr spannend. Ab und zu habe ich auch mal zu Hause vorgekochte Aufläufe in die Schule gebracht, aber inzwischen komme ich immer weiter davon weg, denn die ausgesuchten Speisen aus dem Katalog des Caterers, von denen ich auch noch die Nährwerte habe, sorgen für große Erleichterung.
    Ein großer Schritt war das für uns, denn mit dem Essen „außer Haus“ mussten wir nun auch wieder ein Stück loslassen lernen und für René bedeutet dies wiederum ein weiterer Schritt in Richtung Selbständigkeit.
    Anja Gall

    == Quelle ==
    Artikel: Mittagessen in der Schulmensa ...
    Zeitung: DIG-PKU Pheline 02/2012
    Autor: Anja Gall

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